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Devadatta-heiliger Schuler des Buddha oder Schurke

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by Bodhimitra

Devadatta – heiliger Schüler des Buddha oder Schurke?

von Bodhimitra

http://www.freebuddhistaudio.com/audio/details?num=LOC8
Der Vortrag wurde 1999 im Buddhistischen Zentrum Essen gehalten.


Der Judas Iskariot des Buddhismus

Ich bin Angehöriger des Westlichen Buddhistischen Ordens und ich werde heute einen
öffentlichen Vortrag geben. Dieser Vortrag ist der Vierte in einer Reihe – die Reihe ist über
den Buddha und seine Schüler. Wir haben bisher drei Vorträge gehabt, über den Buddha
selbst und einen über seine Schüler – das war über Sariputta und Moggallana, wenn ich mich
richtig erinnere. Und heute, ist das wieder ein Vortrag über einen Schüler des Buddha, und
zwar über Devadatta. Und Devadatta ist nicht bekannt für seine Heiligkeit, ganz im Gegenteil
er hat nämlich angeblich versucht, den Buddha zu töten und eine Spaltung im Sangha zu
verursachen. Devadatta ist eine interessante Figur, er ist ein bisschen wie der christliche Judas
Iskariot. Judas Iskariot ist bekannt, weil er einer der Apostel war, und zugleich auch Verräter
und indirekt eigentlich auch Mörder von Jesus, da er Jesus an die Behörden verraten hat.
Judas Iskariot war eine interessante Figur, weil er Symbol ist – es geht hier nicht um sein
Handeln allein – er ist Symbol für das Schlechte, das Schlechte in Opposition zum Guten.
Und in dem Sinne ist er – in der äußeren Realität – das, was gleichzeitig in der inneren
Realität passiert. Innerlich haben wir immer einen Konflikt zwischen dem Guten und dem
Bösen in uns, oder vielleicht – wie man das eher im Buddhismus formulieren würde – unser
Neigen zum Heilsamen und zum Unheilsamen stehen im Konflikt miteinander. Im
Christentum ist dieser Konflikt zum Ausdruck gebracht durch die Geschichte von Judas
Iskariot, der Jesus verrät. Etwas ähnliches können wir auch im Buddhismus finden, da wird
nämlich diese Judas-Figur durch Devadatta zum Ausdruck gebracht. Wer war Devadatta?
Devadatta war Vetter und Schwager des Buddha. Die Familienverhältnisse zu dieser Zeit
waren etwas kompliziert und ich finde es auch schwierig zu erklären, wie er gerade Vetter
und Schwager sein konnte – ich werde es auch nicht versuchen weil es meiner Meinung nach
so war, dass Männer mehrere Frauen hatten und so Sachen ... also, das ist zu kompliziert,
ihnen das zu erklären. Jedenfalls, Devadatta gehört zum direkten Familienkreis des Buddha.
Das Erste, was wir von ihm in den Buddhistischen Schriften lesen, ist eigentlich sein In-die-
Hauslosigkeit-Gehen und seine Ordination. Die Zeit, von der wir sprechen, ist etwa ein Jahr
nach dem der Buddha Erleuchtung erlangt hat. Also, der Sangha – die spirituelle
Gemeinschaft und Schüler des Buddha – ist zu dieser Zeit noch sehr klein; da gibt es
vielleicht einige Hunderte Mönche oder Wanderer, die zu Schülern des Buddha geworden
sind, vielleicht auch Tausende – ich weiß es nicht, aber der Sangha ist klein, er ist nicht so
groß wie am Ende des Lebens des Buddha.


In die Hauslosigkeit gehen

Und was passiert, ist, dass zwei Brüder aus dem Shakya-Stamm – das ist auch der Stamm,
woraus der Buddha geboren ist – dass diese zwei Brüder Anuruddha und Mahanama
miteinander reden. Mahanama sagt, ‚ich möchte gern in die Hauslosigkeit gehen. Ich möchte
gerne Schüler des Buddha werden. Das Leben, so wie es ist, gefällt mir nicht – ich möchte
gerne fortgehen‘. Und er würde es gerne mit seinem Bruder Anuruddha machen, aber
Anuruddha sagt ‚Schon gut, aber ich habe keine Zeit, ich habe Sachen zu tun‘. Und nun sagt
Mahanama, ‚Das ist gerade das Problem! Wir haben niemals Zeit das wirklich Wichtige in
unserem Leben zu machen. Jeden Tag steht man den immer gleichen Aktivitäten gegenüber.
Jedes Jahr machen wir wieder die gleichen Sachen und so geht das Leben vorbei und am Ende
des Lebens merkt man, dass es vorbei ist und wir nicht das gemacht haben, was wirklich
wichtig war‘. Und Mahanama schafft es, Anuruddha davon zu überzeugen, auch in die
Hauslosigkeit zu gehen. Aber ich vermute, dass die beiden noch relativ junge Männer sind
und Anuruddha geht zu seiner Mutter, um Erlaubnis zu bitten, dies machen zu dürfen. Und
die Mutter sagt, ‚Ok wenn ihr sterben würdet, dann könnte ich nichts daran machen. Wenn ihr
in die Hauslosigkeit gehen würdet, dann würde ich euch beide verlieren, das möchte ich nicht,
also nein, das wird nicht passieren‘. Und sie fragen zum zweiten Mal – wie es in
buddhistischen Texten gebräuchlich ist – und die Mutter sagt wieder ‚nein‘. Und dann fragen
sie zum dritten Mal und jetzt kann sie sich nicht davon entziehen, sie kann nicht mehr nein
sagen. Und was tut sie? Sie wendet einen kleinen Trick an. Sie sagt: ‚Ok Anuruddha, du
kannst gehen, aber nur, wenn Bhaddiya auch in die Hauslosigkeit geht‘. Wer ist Bhaddiya?
Bhaddiya ist ein ziemlich wichtiger Mensch mit vielen Verantwortlichkeiten, der nicht so
einfach aussteigen kann. Und die Mutter denkt, Bhaddiya wird es ohnehin niemals machen,
und wenn der Bhaddiya es nicht macht, kann Anuruddha es nicht machen, und auch
Mahanama nicht. Also, sie benutzt diesen kleinen Trick. Aber Anuruddha lässt sich nicht von
seinem Ziel abbringen. Anuruddha geht zu Bhaddiya und sagt ‚Bhaddiya! Ich möchte gerne in
die Hauslosigkeit gehen und du musst mitmachen. Denn ich kann nur in die Hauslosigkeit
gehen, wenn du auch mitmachst. Und Bhaddiya begegnet ihm darauf wahrscheinlich mit ‚Ok
ich werde dir helfen, aber ich kann nicht in die Hauslosigkeit gehen, ich habe keine Zeit‘. Und
Anuruddha sagt ,Gut, du hast mir versprochen zu helfen. Die einzige Art und Weise, auf die
du mir helfen kannst, ist, in die Hauslosigkeit zu gehen‘. Und darauf antwortet Bhaddiya mit
‚Kein Problem, ich werde dir helfen, und nun muss ich das auch machen‘. Und er sagt
weiterhin, ‚Ok, in sieben Jahren komme ich mit‘ und Anuruddha sagt ‚nein, dauert viel zu
lange. Sechs Jahre, ne, fünf Jahre ... und so geht das weiter, und Anuruddha handelt Bhaddiya
runter bis zu sieben Tagen. Dann sagt Anuruddha ‚gut, in sieben Tagen gehen wir‘. Also, sie
haben sich entschieden und es sollen sie auch noch ein paar andere Freunde begleiten; es
kommen insgesamt noch vier (andere noch) weitere dazu. Ananda, (der später sehr wichtig
wird,) ein anderer Vetter des Buddha, der später in seiner Rolle als persönlicher Begleiter des
Buddha noch sehr wichtig wird. Bhagu und Kimbila, vielleicht habt ihr den Name schon mal
gehört – er ist einer der drei Anuruddhas aus der [undeutliches Wort] Sutta. Und dann als
Vierter, Devadatta, also hier tritt Devadatta zum ersten Mal auf. Interessant ist, dass wir zu
diesem Zeitpunkt nichts mehr von Mahanama hören, der das alles angefangen hat, er scheint
verschwunden zu sein. Schließlich entscheiden sich diese sechs Männer in die Hauslosigkeit
zu gehen. Normalerweise machen sie das so, dass sie dann das Land oder den Bereich, wo sie
wohnen, verlassen und über die Grenze gehen. Dann ihre Kleider ablegen, also diese Shakyas
kommen wahrscheinlich aus einer aristokratischen Schicht. Also, ihre guten Kleider und ihren
Reichtum ablegen, ihre Haare schneiden und dann im Dunklen weiter gehen. Und sie haben
auch ihren Haarschneider Upali gebeten mitzukommen, damit er ihnen die Haare schneiden
kann. Und so wird es geschehen. Upali kommt mit, sie überschreiten die Grenze des Shakya-
Reichs, ziehen sich im Dunklen um, lassen sich ihre Haare schneiden und schicken Upali
wieder zurück. Aber Upali denkt, ,ist das nicht zu gefährlich, wenn ich hier mit den Kleider
von diesen Shakya-Prinzen zurückkomme? Dann denken die anderen Shakyas vielleicht, dass
ich sie umgebracht habe. Und sie können mir – ich weiß nicht was sie tun!?’ Also, Upali sagt
‚Ne das mach ich nicht‘, und entscheidet sich, auch in die Hauslosigkeit mitzugehen.
Interessant ist, dass er später der große Fachmann für Ordensrecht und für mönchische
Etikette wurde, also er wurde später ein sehr wichtiger Mensch. Man weiß also nicht, was
man tut, wenn man mitkommt, um die Haare von Leuten zu schneiden, es kann noch großen
Folgen haben. Sie sind dann letztendlich sieben und sie verbleiben in Anupiya, um sich dort
eine Weile später mit dem Buddha zu treffen, und sie bitten ihn, um Ordination im Orden.
Das zeigt auch, dass der Sangha noch ziemlich klein ist. Es gibt zu dieser Zeit noch keine
anderen Mönche, die Ordination geben können. Später ist es dann so, dass es überall Gruppen
von Mönchen gibt, die wiederum neue Mönche ordinieren können. Aber hier muss der
Buddha selbst erstmal vorbeikommen. Und der Buddha stimmt zu, er wird sie ordinieren. Und
es ist eine kleine Besonderheit daran.


Upali wird als Erster ordiniert

Die anderen Shakyas bitten den Buddha nämlich, ob er Upali, den Haarschneider, als Ersten
ordinieren kann. Warum würde das sein? Es gibt schon in dieser Zeit die Kasten in Indien und
die Shakyas gehörten wahrscheinlich zu der Ksatriya-Kaste, der Krieger-Kaste, der –
eigentlich zu diesem Zeitpunkt – höchsten Kaste. Upali war wahrscheinlich ein
Unberührbarer, also der niedrigsten Ebene, er war Haarschneider. Die Shakyas wollten also
wirklich Zuflucht nehmen, sie wollten wirklich in die Hauslosigkeit ...

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