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Ein Schritt in die Welt-Die mitfuehlende Aktivitaet der Gruenen Tara

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by Taracitta

Ein Schritt in die Welt - Die mitfühlende Aktivität der Grünen Tara

von Taracitta

Der Vortrag wurde 2004 im Buddhistischen Zentrum Essen gehalten.


Ich hab mich natürlich - wie das ja oft passiert bei Vorträgen - auch nich ganz genau an’s
Thema gehalten [LACHEN], aber ich hab jetzt nich einfach die Bodhisattva-Figur
ausgewechselt, das könnt ihr seh’n, da vorne steht ein Bild der grünen Tara, und auf das werd
ich nachher noch’n bisschen näher eingeh’n.
Die grüne Tara is mir aber vor allen Dingen ein Beispiel für die Aktivität eines Bodhisattva
und insofern werd ich, abgeseh’n von der Figur der grünen Tara, heute so’n bisschen die
Aktivitäten eines Bodhisattva auch beschreiben; und es wird da sicherlich auch verwirrende
Aspekte geben, wenn man mit der Figur des Bodhisattva noch nich so vertraut is, aber ich
hoffe, dass alle bereit sind sich auf neue Welten, neue Arten zu sein, einfach mal einzulassen,
zumindest so probeweise.

Was ich vorhabe zu machen, is, dass ich einmal ein bisschen was einführend sage zum Thema
Buddhismus und Engagement in der Welt. So’n bisschen was, was ich, als ich noch nich so
vertraut mit Buddhismus wa, früher selber empfunden hab. So ne Mischung von angezogen
sein von einem Bild, von nich in der Welt sein auf der einen Seite und ….. ja so ein bisschen
skeptisch gegenüber diesen Buddhisten die nich in der Welt sind. Da sind viele Vorurteile
drin, da will ich’n bisschen was zu sagen. Dann …. geht’s um den Schritt in die Welt, wie’s
ein Bodhisattva macht, in diesem Fall eine weibliche Bodhisattva Tara, die Grüne Tara, die in
Tibet sehr verehrt wird und die ich nachher ein bisschen näher vorstellen werde.

Dann möcht ich’n bisschen erzählen, was so ein Bodhisattva, oder eine Bodhisattva
eigentlich macht, wie sie ihren Weg geht, und …. zur Motivation und zur Zielsetzung eines
Bodhisattvas möcht’ ich dann auch noch was sagen.

Dieses alles soll versuchen die spezifisch buddhistische Sichtweise dazu, wie man in der Welt
……. ich würd mal sagen jetzt auf sozial engagierte (lächelt) Weise da sein kann, das ein
bisschen genauer zu fassen. Und das ist sicher recht anders als wir so üblicherweise von
unserem christlich geprägten Hintergrund, oder humanistisch geprägten Hintergrund, soziales
Engagement verstehen.

Also, ne Vorbemerkung erstmal, also wenn man so nen bestimmten Begriff hört, über
irgendwas was man noch nich so sehr gut kennt, dann is es für mich manchmal ganz schön
dem nachzuspüren welche Assoziationen in meinem Geist schon da sind. Also wenn ich so
nen Begriff höre, was steigt da hoch an Bildern, an Gedanken. Das hat für mich dann immer
so nen reinigenden Charakter. Ich weiß mal erst was ist schon da, dann ich mir das angucken
und beiseitelegen, dann bin ich sozusagen offen um jetzt noch mal neu zuzuhören. Kann auch
ein bisschen sortieren was davon sind vielleicht Vorurteile, so, was schwummert da so in
meinem Kopf herum.

Und bei dem Begriff Buddhismus, das is mir so gegangen, das hab ich aber auch sehr oft von
anderen Menschen erlebt, als sie dann erfuhren, dass ich Buddhist bin. Da is bei vielen so ein
Bild, was ganz am Anfang auftritt, das Bild dieses ruhigen, sehr sanft lächelnden manchmal,
manchmal sitzt er auch nur so still da – des meditierenden Buddha. Und in der Regel
empfindet man dieses Bild als ganz wunderbar anziehend. Das ist so was uns fehlt (lacht) in
der Regel, und für die meisten von uns steht das Bild auch für ne Haltung von Rückzug aus
der Welt, von Loslassen.

Also vor kurzem gab’s hier einen Abschiedsabend für Polanandi (Schreibweise unbekannt),
ein Ordensmitglied, die jetzt nach Indien geht, und da gab’s so ne Art kleines
Kulturprogramm. Und unter anderem wurde da ein Sketch aufgeführt über
Meditaionserfahrungen. Und es gab da einen Satz der, glaub ich, ne gute Aussicht hat, bei uns
hier in unserer Buddhistischen Gemeinschaft, so eine Art „Running-Gag“ zu bleiben, für den
ganze Weile, denn es wurde dargestellt, dieser unaufhaltsame kommentierende
Gedankenfluss, in einer nicht so furchtbar konzentrierten Meditation. Und dann kam immer
wieder der Satz: „Stille – Ruhe – keiner will was von mir,“ und der Satz tauchte mehrfach auf
und das Gelächter wurde immer größer und auch so’n bisschen erlöst, weil irgendwo
erkannten wir uns, glaub ich, zu sehr vielen in diesem Satz wieder. Also, dass dieser Rückzug,
dieses „keiner will was von mir“, „lasst mich“, das ist schon starkes Bedürfnis für viele.

Wir sehnen uns also oft nach Ruhe und dieser schweigende, lächelnde Buddha, der offenbar
diese Ruhe hat, der is da sehr attraktiv für viele von uns. Was dann aber auch sehr schnell
passiert, ist, dass das schlechte Gewissen sofort folgt. Weil, wir sind alle hier im Westen
gewohnt, dass Aktivität, dass Leistung und dass Tun extrem positiv bewertet wird. Und
machen wir uns nichts vor, davon sind wir ganz schön geprägt. Und insofern kommt
gegenüber dem Buddhismus auch heute noch immer wieder, ganz oft auch als Vorwurf
gemeint, der Begriff der Nabelschau auf, vor allen Dingen wenn man mit Menschen spricht,
die mit dem Buddhismus nich näher vertraut sind.
Also Nabelschau, kreisen um sich selbst und die eigene Befindlichkeit. Und ich denke dass
Religiosität hier im Westen auch eben geprägt durch das Christentum sehr stark geprägt ist
durch die sozialen Aktivitäten der Kirchen, der christlichen Kirchen, speziell in Deutschland
wird ein enorm großer Teil gesellschaftlicher sozialer Aufgaben, die also teilweise der Staat
auch übernommen hat delegiert an die Kirchen, also, die Kirchen machen das. Von der
Kindererziehung in Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen, das nich so viel, aber
Krankenhäuser sehr oft, bis hin zur Altenpflege und in vielen Städten gibt’s dann sogar
Friedhöfe, die getrennt sind nach den großen christlichen Konfessionen, und wer da in keine
dazugehört, der muss dann in der Regel auf einen dritten so genannten öffentlichen Friedhof.
Also soziales Engagement in einer institutionellen kirchlichen Form, das prägt schon für viele
auch das Bild von Religiosität.

Die Tatsache, dass Buddhismus hier in Deutschland nicht gleichermaßen auch institutionell
mit sozialem Engagement verbunden ist hat zunächst mal einen ganz einfachen äußerlichen
Grund – es gibt einfach nicht so viele Buddhisten wie Christen, und die vergleichsweise
wenigen buddhistischen Gemeinschaften sind vermutlich noch eine ganze Weile sehr gut
damit beschäftigt ihre eigenen Einrichtungen wie zum Beispiel dieses Stadtzentrum hier oder
Retreathäuser auf dem Lande für längere Meditationszeiten aufzubauen. Dazu kommt, dass so
institutionalisierte soziale Aktivität einfach auch viel Geld kostet. Da muss viel Personal
bezahlt werden, das ist teuer und die christlichen Kirchen ham die Kirchensteuer und sie ham
außerdem stattliche Zuschüsse. Also es sind ganz schlichte äußerliche, überhaupt zunächst
mal nich irgendwie religiös begründete Aspekte die da ne Rolle spielen, dass Buddhisten das
nich machen.

Das ist die eine Seite.

In den asiatischen Ländern, in denen der Buddhismus ganz tief verankert ist ist die
Gesellschaft oft auch noch sehr viel traditioneller Strukturiert und so im Lebensverlauf der
Menschen mit allen Schwierigkeiten, findet ganz stark ne familiäre Unterstützung statt – das
ist einfach noch immer der übliche Weg. Mit so steigenden Modernisierungstendenzen in
diesen Ländern haben aber auch Buddhisten dort inzwischen stärker soziale Aufgaben
übernommen. Also auch im indischen Zweig unsres Ordens beispielsweise gibt’s sehr viele
soziale Projekte speziell für Menschen die im Kastensytem, wie’s im Hinduismus nach wie
vor herrscht, ganz unten stehn, und durch ihren Ãœbertritt zum Buddhismus haben sich viele
dieser Menschen überhaupt erstmal eine Grundlage geschaffen für ihre eigene weitere
Entwicklung. Sowohl spirituell als auch erstmal ganz grundlegend auf dem gebiet von
Erziehung und von Bildung. Und auch in anderen buddhistisch geprägten Ländern gibt es
schon sehr engagierte soziale Aktivitäten.

Im Westen bilden sich da wo es bereits seit einigen Jahrzehnten so etwas wie eigene
Gemeindestrukturen gibt auch zunehmend solche Aktivitäten. Speziell in den USA gibt es
Zen-Gemeinden, die sehr aktiv im sozialen bereich sind, also das Zen-Zentrum in San
Fransisco hat einen ziemlichen Ruhm schon vor langer langer Zeit dadurch errungen, dass es
eines der ersten Hospize für Aidspatienten eröffnet hat. Viele Buddhisten sind in der
Sterbebegleitung aktiv, Roshi Glassmann, ein ganz bekannter buddhistischer Lehrer, der auch
in Deutschland, ich glaub letztes Jahr auf dem buddhistischen Kongress war, der hat in nem
Vorort von New York ein interessantes Wohn- und Arbeitsprojekt mit Obdachlosen
eingeleitet, also es gibt da schon einiges.

In vielen Ländern sind Buddhisten auch aktiv als Gefängnisseelsorger. Also zum Beispiel
recht viele Ordensmitglieder unsres westlich-buddhistischen Ordens in England machen das
auch, Lalitaratna, den vielleicht einige kennen, hat das als er in England war gemacht und
fand ...

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